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Viele hundert Menschen, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, diplomatischem Korps, Vereinen, nahmen am Freitag auf dem Friedhof Bad Kreuznach Abschied vom Ehrenbürger Alex Jacob, der am Sonntag, 11. Juli, im Alter von 74 Jahren starb. Die Trauerfeierlichkeiten begannen um 9.30 Uhr mit einem Seelenamt in der St. Nikolauskirche, das Dechant Ludwig Unkelbach und Bruder Bonifatius (St. Marienwörth) gestalteten.
Die Andacht in der Friedhofskapelle wurde muskalisch umrahmt von: Franz Jürgen Dieter (Organist und Leiter des ZDF-Chores), der das Largo von Händel spielte. Karl-Heinz Blösser (ZDF-Chor) sang "So nimm denn meine Hände" und das "Ave Maria", Stefan ZIer die deutsche Version von "My Way".
Nach Dechant Unkelbach und Bruder Bonifatius sprach auch Oberbürgermeister Andreas Ludwig. Hier der Wortlaut:
Ich habe einen guten Kampf gekämpft,
ich habe den Lauf vollendet
und ich habe meinen Glauben behalten.
Mit diesem Zitat aus einem Brief des Timotheus war am vergangenen Montag die Todesanzeige überschrieben, die in den Tageszeitungen auf den Tod unseres „Alex“, auf den Tod des Honorargeneralkonsuls Jacob aufmerksam gemacht hat. Ein wunderbares Zitat, das sein Wirken und sein Leben mit einem einzigen Satz beschreibt.
Liebe Familie Jacob,
sehr geehrte Damen und Herren,
vor einigen Monaten schon hatte Alex Jacob mich gebeten, einst wenn es so weit ist, die Trauerrede zu halten. Zunächst hatte ich diese Aufgabe noch weit von mir geschoben, aber dann war mir klar, der Moment, diesem Wunsch zu entsprechen, ist nicht mehr weit. Am vergangenen Sonntag, kurz vor zwei, dann die Nachricht: Alex Jacob ist tot. Bestürzung, Trauer, andererseits aber auch eine Befreiung von großen Qualen und schwerem Leiden.
Es ist mir Herzensangelegenheit, diesen Wunsch meines Freundes zu erfüllen. Und eine große Ehre Im Namen von Familie, Freunden, Vereinen, im Namen von Gastronomie und Tourismus, im Namen der Stadt Bad Kreuznach, Neuruppins, Alba Julias, wie stellvertretend für das Diplomatische Korps, für Freunde aus vielen Ländern zu sprechen. Alex Jacob war ein großer Europäer. Ein Kosmopolit, der verstanden hat die Menschen zusammen zu führen. Den Bad Kreuznacher Verkehrsverein in der Worschtkisch´ in Feilbingert, wie er es noch für alle Teilnehmer unvergesslich im Mai getan hat, wie die Menschen in Rumänien, Russland oder Amerika. Unser Gässje Alex war ein Botschafter der Humanität. Der Fernsehsender Sat 1 hat ihn in einer Reportage als „den guten Menschen aus Bad Kreuznach“ genannt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
sein Tod ist uns allen ein unwiderbringlicher Verlust.
Ehrenbürger der Stadt Bad Kreuznach, Honorar-Generalkonsul der Republik Rumänien, Träger der Lebensrettungsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz, des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, Senator und Gastdozent der Akademie Dimitrie Cantemir“, Träger der Auszeichnung „Ironside Soldier“ und der Outstanding Civilian Medal, Ehrenbürger der Stadt Alba Julia, erster ausländischer Träger des russischen Ordens der Freundschaft in Gold, Träger des tschetschenischen Verdienstordens, Inhaber des Fernsehpreises „Ehrensache“, Gründer der Aktion Augenlicht, Ehrenzugmarschall der Kreiznacher Narrenfahrt, Initiator des Fischerstechens, Ehrenvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, Gründungsvorsitzender des Förderveins St. Marienwörth, Ehrenratsvorsitzender des SC Schwarz-Weiss 1932, Ehrenmitglied der Europaunion, Träger des goldenen Verdienstordens des HOGA u.s.w.
So hat er im Vorwort zu seinem Buch „Vom Gässje zum Konsul“ selbst seine Auszeichnungen aufgezählt, aber dann setzt er fort: „aber eigentlich bin ich nur de Alex – ein einfaches Kreiznacher Gässje.
Ich habe viele Menschen kennen gelernt in meinem Leben und noch mehr Menschen kennen mich. Es sind die Kleinen aus den Gassen meiner Heimatstadt ebenso wie die Großen und Mächtigen überall auf dieser Erde. Man kennt mich da, wo die Obdachlosen im Winter eine wärmende Tasse Suppe bekommen genauso wie dort, wo der Glanz der großen Welt Licht und Schatten wirft. Ich habe mit Staatsoberhäuptern diniert und am Stehimbiss mit Bettlern eine Bratwurst geteilt.
Vielen Menschen habe ich geholfen. Wer nichts mehr besaß, hat bisweilen nur noch mich seinen Freund genannt, während andere, die alles hatten, sich vergeblich darum bemühten. Wer jemand ist oder zu sein vorgibt, ist mir stets egal gewesen.
Bewunderung habe ich erfahren, aber auch viel Neid. Die mich nicht kennen, sehen nur die Fassade. Doch meinen Erfolg habe ich mir auf Kosten meiner Gesundheit hart erarbeitet. Mir wurde in meinem Leben nichts geschenkt.
Was war und was ist in meiner Stadt, weiß ich wie kaum ein anderer. Politiker auf allen Ebenen haben meinen Rat gesucht. Zahlreiche Projekte wurden durch mich angestoßen. Viele meiner Ideen haben andere als ihren Erfolg verkauft, nicht nur in Bad Kreuznach. Fürchterliches Elend habe ich gesehen und nicht weggeschaut, unbeschreiblichen Luxus habe ich genossen, ohne zu vergessen, wer ich bin: de Alex!
So weit er selbst, er selbst, Alex Jacob.
Am 9. Mai 1936 wurde er in Bad Kreuznach geboren. Hochstraße 55, die Adresse seines Elternhauses. Hans Peter Alex Jacob, ein Handwerker, sein Vater – Else Jacob, geborene Ritter, eine Köchin, seine Mutter. Der Vater fiel 1945 im Krieg, wenige Wochen zuvor war seine Schwester gestorben. Die Mutter musste ihren verbliebenen Sohn in einer in weiten Teilen zerstörten Stadt, in einem zerstörten Land alleine groß ziehen. Klein Alex ging in die Hofgartenschule. Und am Nachmittag liebte er, wo immer möglich den Fussball.
Ein Zuckerschlecken war diese Kindheit nicht, aber ihm wurden gute Gaben mitgegeben. Zunächst der Rückhalt seiner lieben Familie, dann das Glück, mit wenigem zufrieden sein zu können. Als nächstes die Erfahrung, dass Fleiß und harte Arbeit auch Früchte tragen und schließlich die Überzeugung, dass man nie aufgeben darf.
Mit 14 Jahren endete die Schule. Alex machte eine Lehre als Maler und Anstreicher. Es hieß damals in Bad Kreuznach: es gibt nur einen Gott, das ist der Hingott. Das Malergeschäft von Heinrich und Ludwig Hingott.
Nach der dreijährigen Lehrzeit setzten die Wanderjahre ein. Alex schnürte sein Bündel. Es zog ihn gegen Kaiserslautern, wo er rund um die Baustellen der amerikanischen Streitkräfte manche Stelle und manchen Auftrag annahm.
Zwei Jahre lang arbeitet er auch im Schichtbetrieb für die „Optische“, für die Firma Schneider.
„Wer fliegen lernen will, muss zuerst mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.“ – Sein Boden war sein Sparkonto, das auf Grund seines Fleißes langsam, aber stetig wuchs.
Am 9. Mai 1957, sein 21. Geburtstag, der Tag seiner Volljährigkeit, Alex kaufte sich nicht nur ein erstes eigenes Auto, ein 250er Goggomobil, sondern auch das Haus Rüdesheimer Straße 2, sein erstes eigenes Haus, von dem er seine weitere Zukunft aus plante. Die Wanderjahre waren vorbei.
Alex wurde selbständiger Kleinunternehmer. Er handelte mit Anmachholz und Bier. In Bad Kreuznach und Umgebung. Er trug die Verantwortung, sah vor allem aber die Chancen, die in seinem Wirken lagen.
Am 1. Januar 1959 wechselte der Unternehmer dann noch einmal seine Wirkungsrichtung. Alex wurde Gastronom. Er eröffnete an der Ecke Mannheimer Straße/Lauergasse seine erste Gaststätte: „Zum Fussball“.
Sein erster gastronomischer Erfolg, mit dem eine unglaubliche Siegesserie folgte: „De Pferdestall“, das Deutsche Haus, das „Bee Kay“, „der Felsenkeller“, „das Atlantis“, das „Fausthaus“, das „Mannheimer Tor“, der „Märkische Hof“ in Neuruppin und viele andere Häuser folgten.
Ein Haus muss aber noch einmal ausführlicher benannt werden: Der Quellenhof, den er 1975 als Trümmerhaufen kaufte und zu einem Schmuckstück wandelt: Alex sagt dazu in seinem Buch:
„Was mich mit dem Quellenhof verbindet, das ist voller Symbolik und lässt sich nur schwer in Worte fassen. So wie Bad Kreuznach meine Heimat ist, ist „Der Quellenhof“ mein Zuhause, mein Domizil und meine wichtigste Zentrale. So wie der Fußball mein Hobby ist, ist „Der Quellenhof“ meine Freizeit. So wie die Gastronomie mein Beruf ist, ist „Der Quellenhof“ mein Rückzugspunkt. Es ist Teil meiner Identität, Sinnbild meines Erfolges und Stein gewordene Geschichte meines Lebens.“
Durch sein erfolgreiches Wirken schuf er die Basis um gesellschaftlich Wirken zu können. Die Pfadfinderei hatte einst den 14-jährigen geprägt. Gradlinigkeit, Selbstdisziplin und Rückgrat hat er dort gefunden. „Jeden Tag eine gute Tat“, ein Motto, das ihn zeitlebens begleitet hat. Alex Jacob war ein Mensch, der aktiv am Gemeinwesen mitgearbeitet hat. Er war Motor und Triebfeder zugleich.
33 Jahre lang war er Vorsitzender des Stadt- bzw. Kreisverbandes des Hotel- und Gaststättenverbandes. 14 Jahre lang war er der Präsident des rheinland-pfälzischen Verbandes. Viele Jahre lang war er der Präsident der Internationalen Akademie des Gastgewerbes.
1973 initiierte er die erste Kreiznacher Narrefahrt. Er brachte die verschiedenen Fastnachtskooperationen unter einen Hut. 23 Jahre lang war er der Zugmarschall.
27 Jahre lang war er Vorsitzender des Bad Kreuznacher Verkehrsvereines. Er hat seine Heimatstadt stets nach vorne bringen wollen. Es ist ihm immer wieder gelungen, wie es sonst keiner konnte, Menschen von seinen Zielen zu überzeugen und sie aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden. Ihm verdanken wir das Fischerstechen. Heute nach dem Jahrmarkt das zweitgrößte Volksfest in Bad Kreuznach. Danke, Alex, Danke vielmals!
Ich kann die positiven Erfolge, die erzielt wurden gar nicht alle aufzählen. Alex Jacob war für Tourismus und Stadtbildpflege unverzichtbar.
Irgendwann in den 80er und 90er Jahren wurde ihm dann das Wirkungsfeld in der schönsten Kur- und Badestadt Deutschlands zu klein. Über seinen Freund Walter Eschweiler wurde er Mitglied der Fußballmannschaft des Deutschen Bundestages, wo er 7 Jahre lang, zwischen seinem 52. und 59 Lebensjahr mitspielte. Solch ein Spiel wie einst für den SC Schwarz-Weiß 1932 e.V., wo er als Mittelstürmer beim 23 : 0 insgesamt 14 Treffer in einem Spiel gegen Altenbamberg schoß, ist ihm dort nicht mehr gelungen. Die Kontakte und Freundschaften, die er dort schloss, waren von großer Bedeutung.
1998 wurde Alex zum Honorkonsul von Rumänien ernannt. Das Gässje wurde durch die rumänische Regierung als Konsul geadelt. Doch Alex Jacob wäre nicht Alex Jacob, wenn er sich auf diesen Lorbeeren ausgeruht hätte. Er kümmerte sich nicht nur um Wirtschaftskontakte zwischen den Ländern, um den Ausbau des Tourismus, er entdeckte die Straßenkinder von Bukarest, und suchte sofort nach Wegen zu helfen. Auf Anregung des Rumänischen Außenministers und Kardinal Lehmanns gründete er die „Aktion Augenlicht“ als deutsch-rumänisches Gemeinschaftsprojekt mit sozialem Hintergrund.
Hunderte von blinden oder sehbinderten Kindern wurde geholfen. Alex Jacob sammelte bei Benefizveranstaltungen das Geld, koordinierte die Hilfe, konrollierte, wickelte ab und gab ungezählten Kindern und Jugendlichen neue Lebensperspektiven.
Lassen Sie mich aus einem Dankbrief einer jungen Frau, Ioana Nancu, zitieren:
„Ich weiß mit dem besten Willen nicht, wie ich Ihnen zu danken habe. Es gibt keine so hohe Belohnung für ihre großzügige Tat…. Ich wäre mit Sicherheit nicht zu neuem Leben erwacht, wenn Sie mir nicht in einer aufopfernden menschlichen Art und Weise mit Gottes Segen geholfen hätten. Eine magische Hand hat Wunder vollbracht. Ich danke Ihnen von Herzen, möge Gott Sie beschützen und viel Gutes geben. Ich danke Ihnen tausende Mal. Es gibt Augen voll Tränen vor Freude und Dankbarkeit. Vergessen Sie bitte nicht, dass jemand für Sie in einer Kirche in einer Ecke aus Liebe und Dankbarkeit betet. Ihre Joana Nancu.
Das barmherzige Wirken der Aktion Augenlicht hat sich dann weiterentwickelt nach Russland und Tschetschenien. Mit großem diplomatischem Geschick hat Alex Jacob im Namen der Menschlichkeit noch mehr Kindern, meist Minenopfern, geholfen. Die Orden aus Russland und Tschetschenien sind große Anerkennung für diese grenzüberschreitende Akte der Menschlichkeit.
Alex, wir alle sind sehr stolz darauf.
Gerne zitiere ich den Konsul Fjodor Khorokhordin:
„Wir sind tief erschüttert, denn trotz der schweren Krankheit, an der unser Freund seit Jahren litt, wollten wir die Hoffnung nicht aufgeben. Der Alex selbst, mit seiner Energie, seiner Tatkraft, seinem Ideenreichtum, war uns immer ein hervorragendes Beispiel für den starken Willen, für den Mut und enorme Lebenskraft, die ihn bis zum letzten Atemzug nicht verließen.
In unserer Heimat war Alex Jakob sehr gut bekannt. Nur schwer aufzuzählen sind all die guten Taten, die er für die Russische Föderation und insbesondere für die Menschen getan hat. Allein sein Engagement zugunsten der erblindeten und kranken Kinder bleibt uns noch viele Jahre in Erinnerung.
Wir trauern mit Ihnen und werden Alex Jacob für immer in unseren Herzen behalten.“ So weit Fjodor Khorokhordin.
Wer so viel Gutes bewirkt hat, hat der verdient so krank zu werden?
Die im Dezember 2008 diagnostizierte Krebserkrankung war die letzte große Prüfung, die Alex Jacob bestehen musste. Mit Würde, Gradlinigkeit und Selbstdisziplin hat er sie gemeistert, frei nach den Worten von Timotheus. Eineinhalb Jahre hat der Kampf gedauert. Die härteste Prüfung nicht nur für ihn selbst, sondern für die Familie und die Freunde.
Liebe Rosemarie, lieber Alex junior, sehr geehrte Frau Cetin,
Ihr habt in der schweren Zeit Eu´rem Alex immer zur Seite gestanden. Nicht immer war dieser Dienst ganz einfach. Nein er war aufopferungsvoll und schwer. Und in diesem Moment wollen wir bei Euch sein. Kein Wort kann Euch den Schmerz nehmen, den Ihr erleidet. Kaum ein Wort ein wirklicher Trost. Wir alle möchten aber zum Ausdruck bringen, dass wir in diesem Moment und weit darüber hinaus bei Ihnen sind.
Liebe Rosemarie, Du warst alle Zeit Deinem Alex eine großartige Stütze. „Gott erhalte mir die Arbeitskraft meiner Frau“, so hat Alex mit einem leichten Zwinkern immer gewitzelt. Der Erfolg eines starken Mannes ist nur mit einer starken Frau an seiner Seite möglich.
Lieber Alex junior, Dein Vater ist stolz auf Dich. Er wird künftig im Himmel ein Fischerstechen organisieren. Dir obliegt es in seine Fußstapfen zu treten. Geh Deinen eigenen Weg, bewahre Dir die Leistung des Vaters als Vorbild.
Liebe Frau Cetin, Sie waren für Alex über Jahre hinweg eine treue Sekretärin, der ihm hervorragend zugearbeitet hat. Ich habe selbst beobachtet, dass sie für ihn viel mehr waren. Wie eine Tochter, hat er sie geschätzt und gewürdigt.
Wir alle wollen Sie in diesem Moment begleiten und wir resumieren, frei nach Timeotheus
Er hat einen guten Kampf gekämpft, er hat seinen Lauf beendet,
er wird einen dauerhaften Platz in unserem Herzen und unserem Denken behalten.
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