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Geschieden, arbeitslos und verschuldet. Oft ist bei diesen Männern nichts zu holen, so dass Vater Staat den Unterhalt an Mutter für das gemeinsame Kind oder für die gemeinsamen Kinder vorstrecken muss. Das Wohl des Kindes steht dabei im Vordergrund. Die Hilfeleistung der Öffentlichen Hand soll dafür sorgen, dass es so wenig wie möglich unter den zerrütteten Familienverhältnissen und den daraus oft resultierenden wirtschaftlichen Notlagen leiden muss.
532 säumige Zahler stehen auf der Liste von Liane Dhein. Sie hat beim Jugendamt die Aufgabe, den Unterhaltsvorschuss zurückzufordern. Über viele Jahre sind 1,5 Millionen Euro aufgelaufen (Stand 31. Dezember 2004). Geld, das jeweils zu einem Drittel an Bund. Land und Stadt wieder zurückfließen soll. Nach hartnäckigem Bemühen und viel investierter Zeit stehen pro Jahr rund 80.000 Euro auf der Habenseite. Das ist dann für Liane Dhein das Erfolgerlebnis ihrer Arbeit. Denn sie liegt bislang immer über dem Minimalziel von 40.000 Euro pro Jahr. Oft steht aber auch Frust am Ende eines nicht selten jahrelangen Verfahrens. „Hab ich endlich eine Pfändung erreicht, dann teilt mir sein Arbeitgeber mit, dass das Arbeitsverhältnis beendet ist.“ Monate später hat der Betreffende wieder einen neuen Job und die Wohnung gewechselt. Und das Procedere beginnt wieder von Neuem. Daher hat Liane Dhein nur in etwa 40 Prozent der Fälle Verständnis für die Situation dieser Männer. „Die Zurückzahlung zumindest eines Teilbetrages wäre möglich“. Doch ein Großteil ist nach ihrer Erfahrung finanziell nicht in der Lage, seinen Verpflichtungen nachzukommen. „Die privaten Insolvenzen haben in jüngster Zeit drastisch zugenommen“. Für die Bezieher von Arbeitslosengeld II bleibt kaum etwas übrig, um Unterhalt für die Kinder leisten. Anspruch auf einen Unterhaltvorschuss haben Mütter maximal 72 Monate am Stück bis zum 12. Lebensjahr des Kindes.
Mit der wirtschaftlichen Not von Menschen kennt sich Liane Dhein seit ihren ersten Berufstagen aus. 1978 begann sie ihre Arbeit beim Bad Kreuznacher Jugendamt und war auch für Amtsvormundschaften und Pflegschaften zuständig. In ihrem Büro saßen damals oft weinende Mütter mit ihren Babys und erzählten, dass sie kein Geld mehr haben, um ihren Kind etwas zu Essen zu kaufen. Dann zückte sie öfter mal ihr Portemonnaie und spendete zehn Mark. Doch im Laufe der Zeit merkte sie, dass es auch Frauen gab, die dies bewusst ausnutzten. Daraus zog sie Konsequenzen „Mitgefühl zeigen, aber auch Distanz waren. Dafür musste ich mir ein dickeres Fell zulegen“.
An einen besonders spektakulären Fall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte, denkt Liane Dhein mit gemischten Gefühlen zurück. Ende der 80er-Jahre musste gerichtlich festgestellt werden, dass ein bekannter deutscher Schlagerstar nicht der Vater eines Kindes war, das in Bad Kreuznach zur Welt kam. Weil er zu viel Aufsehen bei einem Termin im Jugendamt fürchtete, war Liane Dhein damals bereit, sich mit ihm außerhalb der Stadt im Vorfeld eines Konzertes zu treffen. Auf dem Weg dorthin geriet sie als Beifahrerin unverschuldet in einen Unfall, unter dessen Folgen sie heute noch gesundheitlich zu leiden hat. Nach einer schweren Bandscheibenoperation konnte sie mehrere Jahre nicht arbeiten und hat nach einer Wiedereingliederung im Jahre 1999 ihre Stelle vor sechs Jahren auf halbtags reduziert. In dieser schweren Zeit hatte sie privates Glück und lernte 1995 ihren Mann kennen. Hündin Sina und der Kleingarten am Städterpfad sind Hobbys, die die beiden besonders verbindet. |