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Sie tragen Uniform, sind aber nicht bewaffnet und haben dennoch einen mitunter gefährlichen Job. Führerscheine einziehen oder Autos still legen, Wohnungen räumen, Hundehalter ermitteln, bei Familien- oder Nachbarschaftsstreit schlichten. Bei den nächtlichen Kontrollen auf Spielplätzen müssen sie Verdächtige vorläufig festnehmen und der Polizei übergeben, weil Drogen gefunden werden. Für die fünf Männer vom Vollzugsdienst des Ordnungsamtes ist es immer häufiger ratsam, Westen anzuziehen, die sie gegen Schüsse und Messerstiche schützen. „Körperliche Angriffe und auch Morddrohungen“ machen Jörg Keil und seinen Kollegen zunehmend das Leben schwer. Die Botschaften, die sie zu übermitteln haben, sind nicht von der Lottozentrale an glückliche Gewinner, sondern es sind Zahlungsbefehle, Räumungsbescheide, Führerscheinentzug etc.. Mit Menschen, die mit dem Gesetz auf Kriegsfuß stehen, hat Jörg Keil seine Erfahrung. Bevor er 1999 seinen Dienst beim Ordnungsamt begann, war er 13 Jahre lang Vollzugsbeamter bei der JVA in Mainz. So manch einer der Inhaftierten aus jenen Tagen begegnet ihm auch heute wieder.
Der Alltag der vier städtischen Ordnungshüter besteht glücklicherweise nicht nur aus Anfeindungen. Ihre Präsenz in der Stadt wird insbesondere von den älteren Mitbürgern geschätzt. „Endlich wieder mal ein Schutzmann zu sehen“, ruft man Ihnen bei ihren Streifen freundlich zu. Jeder Beamte hat sein Revier. Jörg Keil kontrolliert das Gebiet stadtauswärts links der Alzeyer- und rechts der Gensinger Straße. Der Kontakt zu den Bewohnern hat sich im Lauf der Zeit gut entwickelt. Da wird auch schon mal die freundliche Aufforderung, die Hecken zurückzuschneiden, nicht mit einer unwirschen Reaktion quittiert. Seit vergangenem Jahr nutzen die Ordnungshüter in der Sommerzeit Fahrräder. Diese Mobilität hilft insbesondere auf der Roseninsel beim Bemühen, die Raser auf zwei Rädern oder die Inlineskater zu mehr Rücksicht zu bewegen Für seinen bewegten Job hält sich Jörg Keil natürlich fit. Der 38-Jährige joggt jeden Abend. In seiner Jugend war er ein begeisterter Fußballer. Wegen des Schichtdienstes in der JVA hat er aber seine Kickerschuhe (er war einst Libero beim VfL Fürfeld und SV Niedermoschel) früh ausgemustert. Der Vater von zwei Mädchen und einem Jungen (11,5 und 3 Jahre alt) wohnt mit seiner Familie in der Verbandsgemeinde Bad Kreuznach.
„Dass Aggression und Gewaltbereitschaft nicht weiter so rasant zunehmen wie in den vergangenen Jahren“, wünschen sich Jörg Keil und seine Kollegen. Gesunken ist zudem Toleranz und Respekt der Bürger untereinander sowie die Hilfsbereitschaft. „Da beschwert sich jemand und fordert uns an, weil seine 80 Jahre alte Nachbarin nicht mehr vor ihrem Haus kehrt“. |