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Er ist der Marathon-Mann der Stadtverwaltung. Auch im Zeitalter der Daten-Autobahn, auf der viele Nachrichten und Informationen via Computer befördert werden, spult Friedhelm Kunz als Postbote sein Tagesprogramm per pedes ab. Er schätzt, dass er rund acht Kilometer unterwegs ist. Mit seiner schweren braunen Tragetasche aus Leder bzw. mit seiner Tasche auf Rädern pendelt er zwischen den Ämtern nach einem genau festgelegten Zeitplan, um Post und Pakete mitzunehmen und wieder Neues zu bringen. Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr mit dem Gang zum Hauptpostamt. 10 bis 14 Kilo Papier verfrachtet er ins Auto. Zurück im Stadthaus wird der Briefkasten und der Zeitungskasten geleert, die gesamte Post vorsortiert und ins Vorzimmer des Hauptamtes gebracht. Dann legt er die Aufträge und Unterschriftsmappen im Schreibdienst und der Personalabteilung vor. Der kleine Rundgang beginnt meist gegen 7.30 Uhr. Stationen sind die Stadtkasse und das Ordnungsamt. Dort warten viele Einschreiben oder Umschläge mit Pässen bzw. Formularen. Pro Tag werden von dort im Schnitt 176 Briefe versandt. Dabei sind auch rund 30 Bußgeldbescheide. Dann stehen weitere Rundgänge zwischen den Ämtern, beispielsweise in die Bauverwaltung in der Viktoriastraße an. Vor der Mittagspause heißt es dann „Stadtverwaltung Bad Kreuznach, Guten Morgen“. Kunz hat von 11.30 bis 12.30 Uhr Dienst im Bürgerbüro, bedient die Telefonzentrale und gibt dort beispielsweise Pässe aus oder verkauft Müllsäcke. Nach seiner Pause geht es dann mit den Botengängen weiter. Ein anstrengender Job. „Abends tun mir die Füße weh“. Fit hält sich der 55-Jährige zwar nicht durch Sport, aber durch gesunde Ernährung. „Wenig Fleisch, viel Fisch und vor allem Obst, am liebsten Äpfel“, ist sein Rezept. Aber auch Süßem ist er nicht abgeneigt. Bei seinen Rundgängen durch die Büros liegen hin und wieder ein paar Plätzchen bereit. Zeit für einen kurzen Plausch nimmt er sich, denn der Postbote der Stadtverwaltung ist immer gut informiert und daher ein gefragter Gesprächspartner. Mit Siegfried Schneider bildet er ein Team. Schneider ist auf der Poststelle unter anderem fürs Frankieren, für die Materialverwaltung und für die Vordrucke zuständig. Außerdem stellen die beiden im städtischen Weinkeller die Gastgeschenke zusammen.
Friedhelm Kunz kam im August 1991 zur Stadtverwaltung, zunächst als Springer im zentralen Dienst: Postverteiler, Telefonist, Fahrer, Hausmeister und Aushilfe in der Druckerei waren seine Aufgaben. Die handwerklichen Talente des gelernten Landmaschinenmechanikers werden in der Verwaltung geschätzt. Bis 1990 arbeitete Kunz in der Bad Sobernheimer Zweigstelle von Junker und Sohn, Simmern. Nach Verkauf und Schließung des Betriebes, arbeitete er noch kurze Zeit in einer Stahlbaufirma, bevor er sich bei der Stadtverwaltung bewarb. Mit seiner Frau wohnt der gebürtige Argentaler in Monzingen. Die Gartenarbeit ist sein großes Hobby. „Die Sorge habe ich nicht“, antwortet er auf die Frage, ob ihn Kollege Computer in den kommenden Jahren überflüssig macht. Die Tasche des städtischen Postboten wird da wohl nicht viel an Gewicht verlieren. |