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Sie brauchen nicht nur einen abgehärteten Geruchssinn, sondern auch ein dickes Fell fürs Gemüt. Die Kanalreiniger von der Abwasserbeseitigungseinrichtung der Stadt werden bei ihrer Arbeit öfters mal beschimpft. Sei es als „Verkehrsbehinderer“ oder als „Faulpelze“, weil ein Reinigungsvorgang nach Grad der Verschmutzung Stunden oder gar Tage dauern kann und die Männer als Kontrolleure neben ihrem Fahrzeug stehen. „Ruhig bleiben“, heißt da die Devise von Ralf Krambs (39) und Frank Hörning, die zurzeit ein Team bilden. Nicht selten müssen sie selbst unter die Erde. Ab einem Durchmesser von 90 Zentimeter ist ein Kanal begehbar. Den Vorschriften entsprechend mit Seil, Atemschutz und Gaswarnmessgerät ausgestattet, immer in Kontakt mit dem Kollegen, der am Einstieg wacht. In den großen Röhren schieben die Kanalreiniger den Dreck selbst zusammen. Nicht immer ist diese Arbeit unangenehm. „Im Sommer ist es da unten schön kühl“, schmunzelt Krambs .150 Tonnen Sand werden pro Jahr aus den Kanälen gesaugt. Hinzu kommen Steine und Splitt als Reste von den Streueinsätzen im Winter, oder als Folge von starken Regengüssen bzw. von Bauarbeiten. Bei ihren Einsätzen in der Unterwelt holen Männer aber auch die seltsamsten Funde ans Tageslicht: Kinderdreirad, Einkaufswagen, Autorücksitzbank sowie Handwerkszeug und sogar Essbesteck.
Bei der Kanalreinigung wirbelt der Wasserdruck, der mit 120 bis 150 bar so scharf wie ein Messer ist, den Dreck auf. Die Kraft des Wassers schleppt den Morast bis zum Schacht, wo er von einem Rüssel aufgesaugt wird. Im Fahrzeug wird das Wasser von der Schmutzfracht getrennt, im Rückgewinnungsverfahren gefiltert und für die Reinigung wieder verwendet. „Ein großer Beitrag zum Umweltschutz, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug in einer Stunde rund 20 Kubikmeter Wasser in den Kanal bringt“, so Einsatzleiter Volker Röser.
Das Hauptkanalnetz der Stadt Bad Kreuznach umfasst rund 200 Kilometer.
Hinzu kommen noch Regenrückhaltebecken, Staukanäle, Regenüberlaufbauwerke, Pumpstationen sowie Hausanschlussleitungen im öffentlichen Bereich. Als gesetzliche Vorgabe müssen mindestens zehn Prozent pro Jahr durch einen Roboter inspiziert werden. Damit wird eine Firma beauftragt. „Zusammen mit einem Vertragsunternehmen sind wir in der Lage, pro Jahr etwa 50 Prozent zu reinigen, wobei es unterschiedliche Intervalle für jeden einzelnen Kanal gibt“, so Röser. Zurzeit sind Ralf Krambs und Frank Hörning viel in Winzenheim auf Tour. Dort werden die Hausanschlüsse im öffentlichen Grund gesäubert bzw. die Revisionsschächte auf den Grundstücken gesucht.
Zunächst sind die beiden dort nicht immer gerade freudig empfangen worden. Doch das hat sich mittlerweile zumindest zum Teil gewandelt. Verstopfte Hausleitungen wurden bei den Arbeiten auch vorgefunden. „In einem Fall war ein Rohr durch Wurzeln zugewachsen“, erzählt Hörning. In einem anderen Haus war hinter der Rückstauklappe die Schmutzwasserleitung dicht. „Obwohl es nicht unsere Aufgabe ist, haben wir die wir Klappe ausgebaut, als Service für den Bürger.“ Dafür waren die Hauseigentümer den Männern von der Kanalreinigung dankbar. Werden diese Schäden nicht rechzeitig entdeckt, droht Ungemach. „Dann steht die Brühe im Keller.“
Ihre Arbeit bei Stadt haben Frank Hörning und Ralf Krambs am gleichen Tag begonnen: Am 1. April 2005. Hörning arbeitete zuvor auf dem Bau. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er zudem noch in Roxheim eine Gaststätte. Die Liebe hat dafür gesorgt, dass Ralf Krambs von Heidelberg nach Dalberg gezogen ist. Er hat in der Region rasch Fuß gefasst und engagiert sich in der Hergenfelder Feuerwehr. Die beiden Kollegen verbindet die große Leidenschaft für den Fußball, was zu Frotzeleien untereinander führt. Denn Hörnings Lieblingsclub ist Schalke 04 und Krambs leidet derzeit mit dem 1. FC Köln. |